Jesus der Clown?

Wer mich kennt, der weiß, dass ich die Wochen nach dem Dreikönigstag etwas unruhig werde. Als Oberschwabe und dort mit der schwäbisch-alemannischen Fasnet aufgewachsen, habe ich diese wohl schon in der Muttermilch aufgesogen und sie gehört zu mir, wie meine Brille oder mein Bart.

Nachdem in diesem Jahr in Bad Cannstatt das „Große Narrentreffen“ stattfand, lag es nahe, dass wir einen Jugendgottesdienst feiern wollten, in dem das Thema Fasching und Narretei in irgendeiner Form drin vorkommen sollte.

Bei diesem närrischen Jugendgottesdienst besuchte uns dann ein Clown.
Zuerst putzte er den Leuten die Schuhe, er meinte, er verrichte einen Dienst an den Menschen. Sie sollten so motiviert werden, es ihm nachzutun.

Danach verteilte er Bonbons an die Kinder. Welch eine Freude. So wollte er uns zeigen, dass das Teilen, auch wenn man nicht viel besitzt, immer möglich ist.

Danach nahm er die Zeigefinger einzelner Personen und legte sie vor deren Mund. Wollte er sie zum Schweigen bringen?
Nein – nicht ganz. Nur zum Schweigen, wenn sie übereinander reden und tuscheln.
Er wollte die Menschen zum Nachdenken animieren.

Ausgelacht wurde er dafür: Für andere einen Dienst tun, mit anderen Teilen, nicht über andere Reden? Was für ein NARR, dieser Clown doch ist! „Die Menschen ändern sich seit tausend Jahren nicht“, „über andere Reden, ist doch die zweite Fremdsprache“, „du machst dich lächerlich“. Solche Sätze musste er sich als Reaktion anhören.

Dann nahm der Clown ein Kreuz zur Hand, hielt es hoch, so dass es jeder sehen konnte und schrie: „Dann ist auch der ein Narr, an den ihr glaubt!“

Der Aufschrei war groß! Doch hatte er recht?
Jesus hatte all das auch getan, er hatte gedient, geteilt, andere Menschen nachdenklich gemacht. Einige Leute damals hatten ihn für verrückt erklärt, anderen war er lästig, sie wollten ihn loswerden.

Jesus hat uns den Weg gezeigt, den wir gehen sollen, einen Weg des Friedens.
Wenn wir diesen gehen, sind wir nicht Narren, die einem falschen Weg folgen, sondern wir sind voller Hoffnung, dass seine Liebe und Menschlichkeit letztendlich alle Menschen überzeugt, denn mit den Worten des Clown gesprochen:

„Hoffen und Harren machen mich nicht zum Narren!“

Eine glückselige Fasnet wünscht Ihnen
Ihr Frank Schien, Gemeindereferent